Top

Warum ein Instagram-Workshop viel mehr vermittelt als pures Wissen

Von Marlene Borchardt.

Geschichten mal anders erzählen, das ist es, was die meisten Redakteure in meinen Instagram-Workshop im HHLab treibt. Und zwar über diese visuell starke, bunte App, mit der man dann auch neue Zielgruppen für seine Inhalte begeistern kann. Zumindest wenn man es schafft, die App gut zu nutzen. Also auf eine frische Art und Weise berichtet. Und nicht einfach seine Inhalte in eine neue Form kippt.

Das ist klar. Aber da gibt es noch mehr.

Es ist auch das Interesse an unserem Lab, an der Arbeit die wir leisten, die sich stark von der in der Redaktion unterscheidet (inwiefern, könnt ihr hier lesen).

Es ist das Interesse an den Kollegen aus der Zentralredaktion, die noz.de, shz.de und svz.de mit überregionalen Inhalten versorgen. Es ist das Interesse an den Kollegen aus dem eigenen Haus, die man kaum kennt – sei es weil sie in der gleichen Stadt, aber auf einem anderen Flur sitzen, oder weil sie an den unterschiedlichsten Standorten, wie in etwa Osnabrück und Husum arbeiten. Es ist die Lust am Austausch mit den Kollegen. 

Und natürlich ganz generell – das Interesse an Hamburg als neuen Standort des Medienhauses.

Seit etwa einem halben Jahr biete ich den Workshop regelmäßig für Interessierte an, und stelle immer wieder fest:

Es ist die Neugierde, die die Menschen in den Workshop treibt. 

Und es ist auch meine Neugierde, die mich anfangs dazu veranlasst hat, diesen Workshop zu geben.

Ich wollte wissen: Wie funktionieren die Mechanismen an den einzelnen Standorten, wie wird dort gearbeitet, wie sieht man die Zukunft des Lokaljournalismus?

Ich hatte Lust Wissen zu vermitteln und gleichzeitig von meinen Kollegen zu lernen. Über das Unternehmen, ihre Arbeit und darüber, wie sie denken. 

In den Workshops sind wir meist eine bunte Truppe: Aus Redakteuren, Fotografen, Video-Journalisten und Mitarbeitern aus dem Marketing und Sales-Bereich. Gleich beim ersten Workshop musste ich lernen: Die Wissensstände über die App sind so unterschiedlich, dass nie alle kontinuierlich Neues lernen. Ich muss sogar zugeben: Manch einer lernt gar nichts Neues.

Zumindest nicht über den puren Umgang mit der App. Dafür aber, wie man Formate findet und zuspitzt. Wie man seine Idee immer wieder herausfordert, bis sie richtig gut ist. Und wie man dabei seinen Nutzer im Zentrum behält. Wie man selbst der Held seiner Geschichte wird und die Scham ablegt, den Selfie-Modus einstellt und eine neue Persönlichkeit hervorbringt.

Oder eben auch, dass man besser als Erzähler hinter der Kamera agiert.

Man lernt seine Kollegen neu kennen und manches von ihnen. Auch ich.

Und so lernen wir alle, wenn auch nicht alle das Gleiche. Aber wir kultivieren alle unsere Neugierde. Wir nehmen uns einen Tag Zeit zum Austausch, zum gemeinsamen Lernen, zur Ideen-Findung.

Wir arbeiten (Achtung, strapazierter Begriff) an unserem Mindset. 

Und das ist so viel mehr wert, als das pure Erlernen von einer Anwendung. Denn wie wir Nachrichten erzählen, wird sich immer wieder verändern. Durch neue Technologien. Aber wie man etwas erlernt, mit anderen interagiert, seine Ideen hinterfragt und strukturiert, sich gegenseitig befruchtet, um dann in die Umsetzung zu finden – das bleibt.

Und das muss regelmäßig geschult werden. Jeder Workshop, den ich leite, ist also auch ein Workshop für mich selbst.

Üblicherweise besucht man einen Workshop, um etwas zu lernen.

Und wir lernen, nur nicht immer das, was draufsteht. Und das ist mehr als okay.

 

 

 

 

No Comments
Add Comment
Name*
Email*
Website