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Sechs Standorte, eine Challenge: Wie Design Thinking als Fernbeziehung funktioniert

Von Barbara Maas.

Design Thinking kann Unbekannte mit vollkommen unterschiedlichen Lebenswelten und Biografien in kurzer Zeit zu mächtigen kreativen Teams zusammenschweißen. Diese Erfahrung fasziniert mich selbst als Teilnehmerin immer wieder am meisten an dieser Innovationsmethode. Und genau dieses Erlebnis wollte ich als Facilitator Kolleginnen und Kollegen aus den lokalen Standorten von NOZ Medien und mh:n Medien mit einem Workshop bei uns im HHLab ermöglichen. Denn da draußen im Dreieck zwischen Nordfriesland,  Schwerin und dem Emsland schlummert ein riesiger Schatz von Knowhow und Kreativität, den wir freilegen und bestmöglich nutzen wollen. Doch dieser Vorteil – viele smarte und engagierte Menschen an vielen, teils weit voneinander entfernten Orten – ist auch eine Herausforderung: Wie fangen wir an? Mit wem? Wo? Diese Fragen mussten wir im Vorfeld klären.

Was?

„Wie können wir Menschen, die neu in einer Stadt, Gemeinde oder Nachbarschaft sind, beim Ankommen helfen?“ Das war unsere Design Challenge, die sich aus unserem größerem Thema „Heimat und Zuhause“ ergeben hat. 

Warum?

Sich zu Hause fühlen ist erstens ein Bedürfnis, das viele Menschen teilen. Zweitens liegt das Lokale in der DNA aller unserer Medienhäuser NOZ, sh:z, A.Beig und SVZ. Drittens ist es ein Thema, zu dem viele Kolleginnen und Kollegen aus eigener Erfahrung Zugang haben. 

Wer?

Zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren beim Workshop dabei: Vier Frauen und sechs Männer. Sie arbeiten als Journalisten, UX-Designerin, Anzeigenverkäufer, Grafikerin, in der IT und im Vertrieb – in Papenburg und Osnabrück in Niedersachsen, in Rendsburg, Husum, Flensburg in Schleswig-Holstein und in Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern).

Wie?

Unsere Räume in Hamburg waren schnell als Ort gesetzt – schließlich wollten wir Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Radius ansprechen, und Hamburg liegt geografisch in der Mitte. Wir trafen uns Ende August und im September an zwei Montagen und an einem Freitag – insgesamt über eine Zeitspanne von fünf Wochen. 

Am ersten Montag gab ich eine Einführung in Design Thinking und stellte die Challenge vor. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickelten verschiedene Standpunkte, bildeten drei Teams, planten ihre Interviews und Leitfäden, die sie auch übten. Dann hatten sie zwei Wochen zu Hause Zeit, um Interviews zu führen. Über Slack blieben sie in Kontakt, außerdem gab es pro Team einen Termin als Video-Anruf oder Gruppenchat, an dem ich auch teilnahm. Hier klärten wir Fragen und die nächsten Schritte.

 Am zweiten Montag wurde es konkret – mit Synthese, zusätzlichen Interviews, Personas, Ideation und Prototypen aus Pappe, Knete und Lego. Die Teams testeten ihre Prototypen untereinander. In den anderthalb Wochen darauf hatten sie wieder Zeit, ins Feld zu gehen, dieses Mal mit ihren Prototypen. Mit den Ergebnissen verbesserten sie ihre Ideen am letzten Tag. Am Ende des Workshops stand der Pitch vor den Kollegen unseres HHLabs. 

Und die Ergebnisse?

Wir haben drei Prototypen gebaut und getestet. Die Erkenntnisse zu Bedürfnissen, Problemen und Lösungen nehmen wir in unseren Ideen-Pool auf, um mit ihnen weiterzuarbeiten.

„Wege aufs Land“ ist ein Portal für Menschen, die von der Stadt aufs Land ziehen und sich dort den Traum vom Eigenheim erfüllen wollen. 

„Hope“ ist eine Smartphone-App und ein Hologramm, dass als persönliche Assistentin alle Vorlieben des Nutzers kennt und ihm hilft, ein Leben nach seinen Vorstellungen individuell zu gestalten. 

Der „Emsland-Scooter“ ist ein Elektro-Gefährt auf vier Rädern mit Dach, das 25 km/h fährt. Mit diesem Scooter sind Teenager auf dem Land mobil. Helikopter-Eltern können den Wagen orten. 

Was haben wir außerdem gelernt?

Multidisziplinäre Teams schaffen ein gemeinsames Verständnis für Gemeinsamkeiten und Unterschiede – weit über die eigentliche Challenge und die kreative Zusammenarbeit hinaus. In den Pausen tauschten sich die Kolleginnen und Kollegen auch über ihre Arbeit „zu Hause“, über Strukturen, Herausforderungen, Lösungen und Selbstverständnis aus. 

Wer eine Fernbeziehung führt, weiß: Zwei Wochen können ziemlich lang sein. In unserem Fall forderten sie auch noch Disziplin. Neben dem Job ohne ein physisches Treffen fiel es mitunter schwer, sich Zeit für das Projekt freizuschaufeln. 

Auf der anderen Seite hatten die Teilnehmer durch diesen Aufbau die Gelegenheit, die Challenge zu reflektieren und Interviews zu führen – und zwar nicht nur in Hamburg auf der Straße, sondern vor Ort. Wo die Menschen leben, für die sie jeden Tag aufstehen und zur Arbeit gehen: Leser, Kunden, Norddeutsche. 

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