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NETZfeld: Von der Konferenz zum Business-Angebot

Von Marlene Borchardt

Bauen, messen, lernen. So heißt die Formel, mit der man laut dem Lean-Prinzip gut Produkte und neue Ideen vorantreiben kann. Und das ist auch die Formel, die wir im HHLab gerne für unsere Produktentwicklung nutzen. Dieser Text soll konkret am Beispiel „NETZfeld“ erklären, wie das aussehen kann. So wurde aus einer Veranstaltung rund um die Digitalisierung des Landlebens ein B2B-Produkt, das kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen soll, echte Lösungen für echte Probleme rund um die Digitalisierung zu finden.

Die Idee, Mai 2018: Nach der Digitalkonferenz „re:publica“ fiel uns auf, dass die Themen Digitalisierung und der damit einhergehende gesellschaftliche Wandel vor allem in der Stadt auf großen Bühnen diskutiert werden, aber weniger im ländlichen Raum, sprich: einem Großteil, unseres Verbreitungsgebietes. Wir träumten von einer großen Konferenz auf dem Land. Unsere erste Hypothese lautete also: Menschen im ländlichen Raum wollen sich über Digitalisierung austauschen, haben aber noch keinen spezifischen Ort dafür.

Die Recherche, Juni-Juli 2018: Weil wir im HHLab den Fokus auf Bedürfnisse legen, sprachen wir mit Experten/innen Mit Lennart Kutzner, dem Referenten der niedersächsischen Jugendfeuerwehr, mit Tobias Bahls, der einen Coworking Space im Bayrischen Wald gegründet hat und Experten vom Fraunhofer Institut. Wir wollten wissen: Ist so eine Veranstaltung überhaupt interessant, was muss sie bieten, wie sollten die Räumlichkeiten aussehen? Wir bekamen Hinweise: Pflege ist auf dem Land ein Thema, das Ehrenamt, Recruiting und E-Learning.

Der Prototyp, Juli 2018: Durch die Expertengespräche motiviert, bastelten wir an unserem Prototyp. Das ist die Erstversion eines Produktes. Damit überprüft man die eigene Hypothese. Unsere lautete mittlerweile: Menschen im ländlichen Raum wollen sich auf einer Konferenz über Digitalisierung austauschen. Wir bastelten also einen Flyer für unsere Konferenz, obwohl es diese in echt gar nicht gab. So wollten wir ermitteln, ob wir auf ein echtes Nutzerbedürfnis treffen.

Die Nutzerbefragung, August-September 2018: Mit unserem Flyer zogen wir zur NORLA in Rendsburg (Schleswig-Holstein) und zu den Landtagen Nord in Wüsting (Niedersachsen), um mit der potenziellen Zielgruppe zu sprechen. Wir sprachen empathisch und offen mit etwa 50 Menschen darüber, ob sie zu unserer „Fake-Konferenz“ kommen würden. Und was sie sich genau wünschen würden. An diesem Punkt begann also die Messung unseres Erfolges.

Die Events (B2C, B2B) Februar, März 2019: Die Auswertung des Tests war positiv. Also entschlossen wir uns, von hier weiterzumachen. Wir planten gemeinsam mit dem Business Development zwei Veranstaltungen und organisierten, gemeinsam mit dem Event-Team und viel Unterstützung aus dem Verlag zwei Events in unserem Verbreitungsgebiet. „Die Zukunft des Ehrenamts“ in Ascheffel (Schleswig-Holstein), sowie „Die Zukunft der regionalen Wirtschaft“ in Golchen (Mecklenburg-Vorpommern). Die Events hatten jeweils etwa 70 zahlende Teilnehmer, die Weiterempfehlungsrate nach dem Event lag bei 86%.

Der Newsletter, seit Februar 2019: Außerdem starteten wir einen Newsletter rund um Digitalisierung auf dem Land, der langsam aber organisch wächst und alle paar Wochen versendet wird. Die Öffnungsrate liegt bei bis zu 70 %.

Der Click-Dummy, Februar, März 2019: Auf unseren Veranstaltungen wollten wir auch gerne einen digitalen Ort der Vernetzung testen. Deshalb haben unsere UX-Experten und Entwickler einen Click-Dummy für eine NETZfeld-Community gebaut. Ein Click-Dummy versucht die Idee eines neuen, digitalen Produktes zu veranschaulichen. Der Click-Dummy wurde den Besucher/innen vorgestellt und  sie wurden befragt. Doch unsere Nutzer/innen waren sich im Großteil einig: Eine neue Plattform braucht es nicht, es gibt schon genug. Die NETZfeld-Community schaffte es also nicht in die nächste Runde.

Die Evaluation: Die Events waren gut besucht. Es kamen engagierten Bürger/innen, Unternehmer /innen und Politiker/innen – also genau die Zielgruppe, die wir uns gewünscht hatten, aber: Trotzdem konnten wir hier nicht weitermachen. Denn die Events waren auch ein echtes Minusgeschäft, unsere eigene Arbeit noch nicht mal mehr mit eingerechnet. Allein war ein Event kein Geschäftsmodell, auch wenn es auf die Marke einzahlte. Das mussten wir uns eingestehen.

Die Whitepaper, Juli 2019: Aber unsere Tests hatten ergeben: Die Leute wollen Information rund um Digitalisierung und sie brauchen sie auch, aber es gibt noch kein passendes Produkt. Also starteten wir den nächsten Versuch. Dieses mal ganz klar für eine B2B-Zielgruppe. Wir schrieben zwei Fallbeispiele, eines für das Handwerk und eines für die Hotellerie, in denen uns von zwei Unternehmern ganz konkret erklärt wurde, wie sie ihre Prozesse durch digitale Möglichkeiten verbessert haben. Die Whitepaper wurden von Entscheidern, Beratern und Kreativen heruntergeladen und hatten eine Conversionrate von 21 %, und wir konnten einen neuen Anzeigenkunden gewinnen – für uns ein voller Erfolg.

Der Pitch, Oktober 2019: Nun ist aus einer Veranstaltung ein sogenanntes B2B-Vertical geworden. Das bedeutet: Wir wollen kleinen- und mittelständischen Unternehmen mit unseren konkreten und hochprofessionell erstellten Fallbeispielen, die einmal im Monat veröffentlich werden helfen, fit für die Zukunft zu werden. Außerdem wollen wir die Themenfelder rund um Digitalisierung, Unternehmertum, Innovation, New Work und Startups mehr besetzen, um so einen neuen Anreiz für eine neue Zielgruppe zu schaffen. Zusätzlich soll es einmal im Jahr eine große Konferenz rund um Digitalisierung auf dem Land in unserem Verbreitungsgebiet geben. Und viele kleine Meetups auf der Fläche. Hierbei kommen neue Themen für die Lokalredaktionen rum und die Menschen vor Ort können sich austauschen. Das Alles wollen wir in einem Abomodell vertreiben, von dem auch unsere herkömmlichen Digital-Abos profitieren.

Ende Oktober pitchen wir die Idee vor unseren Geschäftsführern. 

Diese Methoden haben wir zur Produktentwicklung genutzt

Product Field: Das ist ein Tool, mit dem man Produktideen ganzheitlich betrachten, verifizieren und auf ihre Stärken und Schwächen abklopfen kann.

Business Canvas: Ist ein Tool, um das Geschäftsmodell zu visualisieren und zu testen, ob dieses auch unternehmerisch sinnvoll ist. 

Minimal Viable Product: Ist an die Lean-Philosophie angelehnt und ist die erste minimal funktionsfähige Version eines Produkts. Hiermit kann man Feedback einsammeln um gezielt Hypothesen zu validieren.

Kanban: Ist eine Methode, bei der die Anzahl paralleler Arbeiten, begrenzt und somit kürzere Durchlaufzeiten erreicht. Probleme können schnell sichtbar gemacht werden. Es kann schnell auf neue Anforderungen reagiert werden,

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