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Buchtipp zu Weihnachten: 10 Dinge, die ich von Kai-Fu Lee gelernt habe

Von Joachim Dreykluft. 

Kai-Fu Lee ist ein international renommierter KI-Wissenschaftler auf dem Feld der Spracherkennung. Seine berufliche Biographie zieren Namen wie Apple oder Google. Lee ist Wandler zwischen den Welten, ist in Taiwan geboren, hat in den USA an der Carnegie Mellon University studiert und gelehrt und führt derzeit aus der Volksrepublik China heraus einen Venture Fonds für KI-Start-ups. Auf Twitter hat er 1,6 Mio. Follower, in entsprechenden chinesischen Netzwerken ungefähr das Zwanzigfache. Er beschreibt in seinem Buch „AI Superpowers“, wie China in der technischen Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren massiv aufgeholt hat und die Vormachtstellung der USA gefährdet. Andere Weltregionen wie etwa Europa spielen aus seiner Sicht keine Rolle mehr.

Zehn Dinge, die ich aus dem Buch „AI Superpowers“ von Kai-Fu Lee gelernt habe:

  1. In China spielt heute und in Zukunft die Musik, nicht mehr im Valley.
  2. Wenn wir uns über China in Sachen KI lustig machen (wie etwa hier) sagt das mehr über uns als über China.
  3. Wenn wir das Internet in China nur als ein Copycat-Internet sehen, liegen wir völlig falsch.
  4. Unternehmen wie Alibaba, Tencent oder Baidu sind keine vom Staat herangezüchteten Amazon/Facebook/Google-Klone, sondern Unternehmen, die sich in einem extrem harten innerchinesischen Wettbewerb durchgesetzt haben. Ihre Gründer und Chefs sind mit allen Wassern gewaschen.
  5. Unternehmen im Silicon Valley (und auch wir im HHLab) basieren ihr Tun auf Werten. Chinesische Gründer und Unternehmer treibt nur eines: Sie wollen reich werden.
  6. China produziert, auch wegen einer menschenverachtenden Politik gegenüber dem Individuum, so viele Daten, dass das Land einen weltweit einmaligen Wettbewerbsvorsprung hat.
  7. Chinesische Internet-Unternehmer sind nicht einfach nur Profiteure ihres politischen Systems und des Umstands, dass ihr Land groß ist. Sie sind auch sehr gut und vor allem sehr agil.
  8. Arbeitsplätze sind nur dann vor den massiven Auswirkungen der KI geschützt, wenn die Tätigkeiten im Wesentlichen auf sozialer Interaktion beruhen und nur schwer in Datensätzen fassbar sind. Psychiater und Babysitter müssen sich keine Sorgen machen. Der Beruf des LKW-Fahrers hat, wie viele andere, keine Zukunft.
  9. In Sachen KI sind wir in Deutschland noch naiver als wir es in Sachen Internet waren und sind, weil wir als gesamte Gesellschaft nicht begreifen, wie tiefgreifend die Veränderungen sein werden.
  10. Wenn wir nicht von unserem deutschen Konzept der “Datensparsamkeit” wegkommen, wird uns das wirtschaftlich und gesellschaftlich in den Ruin treiben. Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Deutschland werden so massiv sein, dass wir uns in die Hände ausländischer Konglomerate begeben müssen, um überhaupt überleben zu können.

Kai-Fu Lee: AI Superpowers: China, Silicon Valley, and the New World Order. Houghton Mifflin Harcourt, ca. 12 Euro

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