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Blockchain-Netzwerk Steemit: Ich warte dann mal draußen auf euch

Von Barbara Maas.

Ah, die Blockchain. Damit sollte man sich auskennen, dachte ich. Gerade in meinem immer noch ziemlich neuen Job im HHLab. Und die Prinzipien der Dezentralität und des Vertrauens  interessieren mich als Journalistin natürlich, Bezahlmodelle sind ja auch ein großes Thema. Als mir die Welt drei Mal „Steemit“ zugeraunt hatte — nämlich in Form eines Barcamp-Speakers, eines Freundes und eines Artikels auf Medium, dachte ich: „Wieso nicht? Social Media und Blockchain ist eine spannende Kombination. Probierst du mal aus. Was soll schon schief gehen?“ (Spoiler: So ziemlich alles.)

Ich hatte mir Vorträge angehört, Artikel über Bitcoin, Ethereum und die anderen gelesen und fühlte mich irgendwie bereit für die Blockchain. Neugierig. Gerüstet. Allerdings nicht bereit genug, irgendeiner obskuren Cryptocurrency mein Geld in den Rachen zu werfen. Damals dachte ich, ich sei eben in Geldfragen konservativ. Mit etwas Abstand betrachtet kenne ich mich wahrscheinlich nach den mehr als drei Jahrzehnten auf dieser Welt einfach zu gut. 

Steemit ist eine Social-Media-Plattform auf Blockchain-Basis. Das Besondere: Wenn dein Beitrag von vielen Menschen geteilt, kommentiert oder geliket wird, bekommst du Geld durch Umverteilung. Natürlich als Kryptowährung, nämlich Steem. Natürlich erst mal kein Vermögen. Und natürlich kann man sich nicht alles auf einmal in eine Wallet – ein Software-Programm, in dem die Kryptowährung gespeichert werden kann – auszahlen lassen. Das ganze System ist etwas kompliziert und wird unter anderem hier gut von CEO Ned Scott erklärt.

Mitlesen darf man übrigens auch ohne einen Account. Goldgräber, Geeks, Influencer, Verschwörungstheoretiker – sie alle finden sich auf Steemit. Ohne Zensur, sagen die einen. Ein Nährboden für alle Arten des Hasses, befürchten die anderen. Ich war gespannt. Ich meldete mich an. 

Dafür brauche ich sofort eine E-Mail-Adresse und eine Mobilnummer, irgendwann später eine Crypto-Wallet und dazwischen Geduld. Denn ich kann mich entscheiden, ob ich zwei Wochen warte oder umgerechnet rund fünf Euro in einer Cryptocurrency meiner Wahl bezahle und sofort geprüft und als Nutzer angelegt werde. Ich bin entweder kostenbewusst oder faul und entscheide mich fürs Warten. Steemit betont mehrmals während des Initiationsrituals, dass ich AUF GAR KEINEN FALL den 20-stelligen Code verlieren oder vergessen darf, wenn ich ihn demnächst per Mail bekomme. Passwörter können nicht wiederhergestellt werden. „Na klar, Blockchain eben“, denke ich. Und schreibe schon mal meinen ersten Post auf deutsch und englisch. 

Auf der Welt, um zu lernen

Warten tut nicht weh. Ich arbeite. Ich entdecke andere interessante Dinge am Wegesrand. Der Sommer knallt, das Leben zieht vorbei, wie es eben immer vorbeizieht, mit Begegnungen und Gedanken, Büchern und Musik. Zwei Wochen sind lang. Irgendwann bemerke ich aus den Augenwinkeln eine E-Mail im Spamverdachtsordner mit dem Absender „Steemit“. „Ach ja, das könnte man ja jetzt bald angehen“, denke ich. 

Als ich das nächste Mal an Steemit denke und nach der Mail suche, ist sie weg. Automatisch aus dem Spam-Ordner gelöscht. Sechs Wochen sind kurz. Und Steemit ist unerbittlich. Dass das Passwort nicht geändert werden kann – geschenkt. Ich probiere es mit einer anderen E-Mail-Adresse und meiner Handynummer. Funktioniert nicht, weil die Telefonnummer schon mal benutzt wurde. Ich probiere es mit der E-Mail-Adresse und einer anderen Handynummer, die ich auch benutze. Funktioniert auch nicht. Ich habe keine Ahnung, warum. Weil in meinem Google-Konto zur Adresse eine andere Telefonnummer hinterlegt ist? Weil die beiden Nummern die gleiche Apple-ID haben? Weil ich gerade versucht habe, diese E-Mail-Adresse mit einer anderen Telefonnummer zu verwenden? Aus einem vollkommen anderen fancy Krypto-Grund? 

Wer sich damit auskennt, möge mich bitte aufklären. Ich bin auf dieser Welt, um zu lernen. Bis dahin gebe ich auf, treibe mich in anderen Ecken dieses Internets herum und muss mit der Erkenntnis leben: Wer schon mal EC-Karten in Fahrkartenautomaten vergisst, manchmal die Brille im Kleiderschrank findet und stark darauf vertraut, dass im Leben am Ende schon alles gut gehen wird, ist unter Umständen nicht der richtige User für die Blockchain.

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